ARCHÄOLOGISCHE GRUNDBEGRIFFE

9.–10.4.2026

Zahlen, Skalen, Lineamente: Diagramme übersetzen die Vielfalt der vorgefundenen und vorgestellten Welt in visuelle und räumliche Ordnungen.

Während der Begriff des Diagramms in den Kunstwissenschaften schon länger diskutiert wird, ist er in den Archäologien bislang ein weißer Fleck auf der wissenschaftlichen Landkarte. Dabei zirkulieren im Fundus der antiken Vormoderne so unterschiedliche Phänomene wie Globen, Karten, Koordinatenlisten, Bauzeichnungen, Architekturmodelle, Illustrationen, Anleitungen, genealogische Stemmata, anatomische Tafeln, Wasserstandsanzeiger, Sonnenuhren oder Spielpläne. Auch über das ›diágramma‹ als technisches Bild im engeren Sinne hinaus stellt sich die Frage nach einer grundsätzlich diagrammatischen Verfasstheit antiker Bildwelten und Weltbilder – paradigmatisch etwa bei Polyklets Kanon oder den weltumspannenden Rasterparzellen römischer Landvermessung.

In nahsichtigen Fallstudien und im interdisziplinären Gespräch lotet der Workshop den Status des Diagramms aus, einer Entität, bei der es sich weder um Bild noch Metapher zu handeln scheint. Dennoch hat sich das Diagramm zu einem fundamentalen und weit über die Antike hinausweisenden Erkenntnisinstrument entwickelt. In der Archäologie zeugen davon etwa Objektivität heischende Tortendiagramme und Koordinatensysteme. Historische Eigenarten und anthropologische Persistenzen diagrammatischer Weltzugänge offenzulegen ist Ziel des Workshops – von der menschlichen Frühgeschichte bis zur von digitalen Formen durchdrungenen Gegenwart.

Besonders anregende Fallbeispiele und Überlegungen werden zur Veröffentlichung in der Zeitschrift für archäologische Aufklärung empfohlen.

Der Workshop ist Teil des Projekts Vormoderne Bausteine einer Theorie des digitalen Bildes, gefördert im DFG-Schwerpunktprogramm 2172 ›Das digitale Bild‹.

Ort: Wassersaal der Orangerie, Schlossgarten 1, 91054 Erlangen.

Organisation: Andreas Grüner, Julian Schreyer.

Programm folgt.

Eine Veranstaltung der Reihe Archäologische Grundbegriffe.