Kommentar zu den Lehrveranstaltungen

Vorlesung


Delos – Heiligtum und Handelszentrum (Reinhardt)
Delos, die mythische Geburtsstätte von Apoll und Artemis, war in der Antike als heilige Insel berühmt. Bereits in der Archaik belegen reiche Votive und Bauten im Heiligtum des Apollon die Bedeutung des Kultortes für die kykladischen Inseln. In klassischer Zeit erweiterte sich der Bezugsrahmen des Heiligtums, indem nun die Polis Athen im Kontext des delisch-attischen Seebundes Anspruch auf das Heiligtum und seine Verwaltung erhob. Nach der Befreiung von der athenischen Vormachtstellung prosperierte die Insel im Hellenismus wegen seiner strategischen Lage als Handelszentrum. 167 v. Chr. wurde Delos sogar zum Freihandelshafen erklärt. Die vielfältigen Einflüsse – etwa von Naxos und Athen –, der materielle Reichtum und die durch den Handel und die Händler greifbare kulturelle Vielfalt im Hellenismus lassen sich in den archäologischen Hinterlassenschaften der Insel noch heute hervorragend fassen.
In der Vorlesung wird ausgehend von den archäologischen Hinterlassenschaften die Entwicklung und Bedeutung des Heiligtums und der Insel von archaischer bis späthellenistischer Zeit im Mittelpunkt stehen. Raum wird ebenfalls der Frage eingeräumt werden, wie archäologische Befunde und Funde zur historisch-politischen Ereignisgeschichte in Beziehung gesetzt werden können.
Einführender Literaturhinweis (weitere Literatur wird bekannt gegeben): P. Bruneau – J. Ducat, Guide de Délos, Ecole Française d’Athènes. Sites et Monuments 1 4(Paris 2005)

Hauptseminar


Dichter und Denker im Bild (Reinhardt)
Im Hauptseminar stehen die antiken Bildnisse von Philosophen, Dichtern und Rednern im Fokus. Wir werden uns anhand ausgewählter Beispiele einerseits mit den Bildnissen einzelner Personen, der Frage nach ihrer Konzeption wie auch den Kontexten ihrer Verwendung beschäftigen. Andererseits wird ebenso die Rezeption solcher Bildnisse und ihrer Ikonographien in der römischen Kaiserzeit thematisiert werden.
Teil des Hauptseminars wird eine Tagesexkursion in die Ausstellung „Charakterköpfe – Griechen und Römer im Porträt“ in der Münchner Glyptothek sein. Termin wird bekanntgegeben.
Literatur (Auswahl): K. Schefold, Die Bildnisse der antiken Dichter, Redner und Denker (Basel 1943); G. M. A. Richter, The Portraits of the Greeks 1–4 (London 1965–1972); R. von den Hoff, Philosophenporträts des Früh- und Hochhellenismus (München 1994); P. Zanker, Die Maske des Sokrates. Das Bild des Intellektuellen in der antiken Kunst (München 1995); C. Danguillier, Typologische Untersuchungen zur Dichter- und Denkerikonographie in römischen Darstellungen von der mittleren Kaiserzeit bis in die Spätantike, BAR 977 (Oxford 2001); O. Jaeggi, Die griechischen Porträts. Antike Repräsentation – Moderne Projektion (Berlin 2008); B. Borg, Das Bild des Philosophen und die römischen Eliten, in: H.-G. Nesselrath (Hrsg.), Dion von Prusa: Der Philosoph und sein Bild (Tübingen 2009) 211–240; J. Lang, Mit Wissen geschmückt? Zur bildlichen Rezeption griechischer Dichter und Denker in der römischen Lebenswelt, MAR XXXIX (Wiesbaden 2012)

Proseminar


Pergamon – Archäologie einer hellenistischen Metropole (Schreyer)
Unter den antiken Metropolen des Mittelmeerraums ist Pergamon eine der am besten ergrabenen. Ziel des Proseminars ist es, in Referaten die städtebauliche Gesamtstruktur, zentrale Platzanlagen und Architekturkomplexe sowie die Ausstattung des städtischen Raums mit Bildern detailliert in den Blick zu nehmen. Auf diese Weise sollen exemplarisch entscheidende Aspekte des Lebens in einer hellenistischen und kaiserzeitlichen Stadt des griechischen Ostens erarbeitet werden.
Bitte beachten Sie auch das Tutorium zum Proseminar!
Verpflichtende Lektüre bis zur zweiten Seminarsitzung: M. Zimmermann, Pergamon. Geschichte, Kultur, Archäologie (München 2011)

Grundkurse


Einführung in die griechische Kunst- und Kulturgeschichte (Reinhardt, Schreyer)
Behandelt werden die wichtigsten Themen und Monumente der griechischen Kunst- und Kulturgeschichte, strukturiert nach Gattungen und Epochen. Ziel ist eine umfassende und solide Orts- und Monumentenkenntnis im griechischen Bereich, auf der im weiteren Studienverlauf zuverlässig aufgebaut werden kann. Zur Einführung wird ein Tutorium angeboten, dessen Besuch dringend empfohlen wird.
Verpflichtende Lektüre, klausurrelevant: T. Hölscher, Klassische Archäologie. Grundwissen (2002) (Abschnitte zur griechischen Kunst und Kultur)

Übungen


Hellenistische und römische Portraits: Herstellung, Kopienkritik, Identifikationsfragen (Wagner)
Im Lauf des Hellenismus und der römischen Kaiserzeit avancierte das Portrait zum vielfach gebrauchten Repräsentationsmedium. Das Blockseminar soll in die Problematik des Portraitbegriffes in der römischen und griechischen Kunst einführen, ferner Fragen zur Herstellung und zum Kopieren antiker Bildnisse ebenso wie zur Identifizierung durch die moderne Forschung behandeln.
Die Lehrveranstaltung setzt sich aus insgesamt drei Terminen zusammen:
1) Vorbesprechung am 17. Oktober 2017 von 16.15 Uhr bis 17.45 Uhr,
2) Erster Blocktermin am 02. Dezember 2017 von 10.15 Uhr bis 16.45 Uhr (inkl.Mittagspause von 12-14 Uhr),
3) Zweiter Blocktermin am 27. 01. von 10.15 Uhr bis 16.45 Uhr (inkl. Mittagspause von 12-14 Uhr).


Griechische Vasen (Murgan)
Griechische Vasen gehören seit den Anfängen der Archäologie zu den wichtigsten Studienobjekten, und das Forschungsinteresse an ihnen ist bis heute ungebrochen. Sie bieten zahlreiche Möglichkeiten, sich mit der antiken Lebenswelt auseinanderzusetzen. Auf der einen Seite ermöglicht die Beschäftigung mit ihrer Herstellung, Form und Funktion Erkenntnisse zu Handwerk, Handel und Lebenskultur. Auf der anderen Seite eröffnen die Vasenbilder Einblicke in antike Mythen- und Alltagsdarstellungen.
Ziel der Übung ist ein Überblick über die wichtigsten Themen und Begriffe der griechischen Vasen, sowie der korrekte Umgang mit dem Material. Wir werden dafür möglichst viel mit Originalen in der Sammlung arbeiten.

Praktika


Modellbauakademie (Boss)
In reiner Handarbeit werden wissenschaftlich nutzbare Rekonstruktionen von Gebäuden der Klassischen Antike als (analoges) Modell geplant und ausgeführt. Die Lehrveranstaltung soll sowohl einen kleinen Eindruck handwerklicher Fertigkeiten vermitteln, besonders aber das Verständnis konstruktiver Zusammenhänge der Architektur der Klassischen Antike fördern.
Derzeit stehen zum Bau an:
Gebäude auf der Agora von Athen im 4. Jh. v.Chr.;
Weiterbau der Casa di Diana in Ostia.


Antike Numismatik (Boss)
Einführung in die Münzkunde der Klassischen Antike mit praktischen Bestimmungsübungen anhand von Beispielen aus den Münzsammlungen der Universität und verbunden mit der Konzeption einer kleinen Sonderausstellung zu einem numismatischen Thema. Die Lehrveranstaltung soll ein Grundverständnis der Herangehensweise an diese Denkmälergattung vermitteln.


Museumsdidaktik (Boss)
Praxisorientierte – und praktische – Übungen zu Planung und Durchführung öffentlicher Führungen sowie Planung, Gestaltung und Durchführung einer kleinen Sonderausstellung. Die Lehrveranstaltung soll grundlegende Fertigkeiten zur Arbeit in einer musealen Einrichtung einüben.

Exkursion mit vorbereitender Übung


Heiligtümer in Athen und Attika (Reinhardt)
Keine andere griechische Landschaft lässt ein so vielfältiges Netz an Heiligtümern und Kultplätzen fassen wie Attika mit seinem Zentrum Athen. Wir wollen in der vorbereitenden Übung und auf der Exkursion grundsätzlichen Fragen nach der Anlage und Ausgestaltung der einzelnen Heiligtümer, sowie der dortigen Kult- und Votivpraxis nachgehen, als auch über die Kulte bestimmter Gottheiten und ihnen gewidmeter Feste (etwa den Panathenäen und den Brauronia) diskutieren. Die relativ gute Überlieferungslage lässt darüber hinaus die Frage nach der Einbindung der jeweiligen Heiligtümer in lokale, regionale und überregionale Netzwerke und damit auch ihre gesellschaftliche Bedeutung thematisieren. Ziele der Exkursion werden neben Athen unter anderem Eleusis, Brauron, Sounion, Rhamnous und Vari sein.
Einführende Literatur: L. Deubner, Attische Feste 3(Darmstadt 1969); J, Travlos, Bildlexikon zur Topographie des antiken Athen (Tübingen 1971); J. Travlos, Bildlexikon zur Topographie des antiken Attika (Tübingen 1988); C. Sourvinou-Inwood, What is Polis Religion?, in: O. Murray – S. Price (Hrsg.), The Greek City. From Homer to Alexander (Oxford 1990) 295–322; H. R. Goette, Athen- Attika – Megaris. Reiseführer zu den Kunstschätzen und Kulturdenkmälern im Zentrum Griechenlands (Köln u.a. 1993); J. M. Hurwit, The Athenian Acropolis. History, Mythology, and Archaeology from the Neolithic Era to the Present (Cambridge 1999); Ch. Sourvinou-Inwood, Athenian Myths and Festivals. Aglauros, Erechtheus, Plynteria, Panathenaia, Dionysia (Oxford 2001); H. Lohmann – T. Mattern (Hrsg.), Attika. Archäologie einer „zentralen“ Kulturlandschaft. Akten der internationalen Tagung vom 18.-20. Mai 2007 in Marburg, Philippiaka 37 (Wiesbaden 2010); E. Greco (Hrsg.), Topografia di Atene. Sviluppo urbano e monumenti dalle origini al III secolo d.C., 1: Acropoli – Areopago – Tra Acropoli e Pnice, SATAA 1,1 (Athen 2010)

Lehrveranstaltungen zur Schlüsselqualifikation


Archäometrie (Göbbels, Boss)
Nach Materialgruppen geordnet werden antike Werkstoffe mit ihren Eigenschaften und in ihrer Nutzung in der Klassischen Antike besprochen.
Die Lehrveranstaltung soll das Erkennen und Bestimmen in verarbeiteter als auch in der Rohform ermöglichen.

Weitere Veranstaltungen


Lektüre (Boss)
In deutscher Übersetzung und darauf aufbauend im Abgleich mit dem lateinischen oder griechischen Fassung werden wichtige Werke antiker Dichter und Denker vorgestellt und besprochen. Die Lehrveranstaltung dient der Verbesserung und Vertiefung der Quellenkenntnisse zur Klassischen Antike.
Auf dem Leseplan steht Xenophons Anabasis.