Kommentar zu den Lehrveranstaltungen

Vorlesungen


Antike Gärten (Grüner)
Der antike Garten gehört zu den vielfältigsten Erscheinungformen der antiken Lebenswelt. Natur, Architektur und Kunst verbinden sich zu individuellen Lösungen, deren Ausstattungskonzepte viel über die Interessen, Bildungskompetenzen und Phantasiewelten ihrer Besitzer verraten. Die Themen des Hauptseminars beschäftigen sich mit Wasseranlagen, botanischen Konzeptionen, Gartengebäuden und Skulpturenausstattungen, wobei ein Schwerpunkt auf gut rekonstruierbaren Anlagen der römischen Kaiserzeit liegt. Neben den wichtigsten Gartenanlagen der Privatarchitektur werden auch die großen, meist kaiserlichen Parks der Großsstadt Rom untersucht werden.
Für den Scheinerwerb notwendig ist regelmäßige Anwesenheit, aktive Mitarbeit sowie die Anfertigung von Referat und Hausarbeit.
Lektüre zur Einführung:
Die Beiträge: M. Carroll-Spillecke, Griechische Gärten und W. F. Jashemski, Antike römische Gärten in Campanien, in: Carroll-Spillecke, M., Der Garten von der Antike bis zum Mittelalter (Mainz 1992)


Haus und Palast in Rom (Grüner)
Das Stadthaus (domus) ist – neben dem Grabmal – der architektonische Bezugspunkt der römischen Großfamilie. Die Domus erfüllt eine Vielzahl von Funktionen: Als repräsentativer Rahmen für Zusammenkünfte von Freunden und Standeskollegen ebenso wie für den morgendlichen Empfang der vom Hausherrn abhängigen Klienten ist das Wohnhaus des Aristokraten weit mehr als ein bloßer Wohnort. Anhand vieler Beispiele, insbesondere aus Rom und den Vesuvstädten, wird sich die Vorlesung mit konkreten Fragen der Planung, Ausstattung und des Designs römischer Wohnhäuser und Palastanlagen beschäftigen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, inwiefern archäologische Reste römischer Wohnhäuser Informationen zum gesellschaftlichen, politischen und intellektuellen Status ihrer Besitzer und Bewohner liefern können.
Zum Scheinerwerb ist regelmäßige Anwesenheit erforderlich.
Lektüre zur Einführung:
P. Zanker, Pompeji: Stadtbild und Wohngeschmack (Mainz 1995)


Mythenbilder in der griechischen Bauplastik (Reinhardt)
In der griechischen Tempel- und Schatzhausarchitektur werden seit archaischer Zeit immer mehr Bereiche zur Darstellung mythischer Erzählungen genutzt. Die unterschiedlichen Bildfelder am Gebäude (Giebel, Metopen, Friese, Akrotere) machten es notwendig, neue Konzepte der bildlichen Erzählung zu entwickeln oder bereits bestehende anzupassen. Die Frage nach der Art und Weise, wie Mythen dort dargestellt wurden und welche für einen bestimmten Bau ausgewählt wurden, lässt die Frage nach ihrer kommunikativen Qualität stellen – was bedeuteten die Mythenbilder für diejenigen, die sie in Auftrag gaben und diejenigen, die sie betrachteten?
Einführende Literaturauswahl: H. Knell, Mythos und Polis. Bildprogramme griechischer Bauskulptur (Darmstadt 1990); B. S. Ridgway, Prayers in Stone. Greek Architectural Sculpture, ca. 600-100 B.C. (Berkeley 1999); C. Marconi, Temple Decoration and Cultural Identity in the Archaic Greek World (New York 2007); P. Schultz – R. von den Hoff (Hrsg.), Structure, Image, Ornament: Architectural Sculpture in the Greek World. Proceedings of an International Conference Held at the American School of Classical Studies, 27–28 November 2004 (Oxford 2009).

Hauptseminare


Bestattung und Grab in der griechischen Welt (Reinhardt)
Gräber bilden eine zentrale archäologische Quelle für unterschiedliche Fragestellungen, etwa nach dem Umgang antiker Gesellschaften mit dem Tod oder nach den sozialen Rollen der Bestatteten und Bestattenden. Anhand einzelner Grabbeispiele sollen im Seminar zugleich verschiedene griechische Nekropolen behandelt und unterschiedliche Fragen thematisiert werden: Wie wurde der/die Tote bestattet? Erhielt er/sie Beigaben und wenn ja, welcher Art? Wie wurde das Grabmal angelegt, ausgestattet und in einen größeren Kontext eingebettet? Lassen sich rituelle Handlungen bei der Bestattung und am Grab archäologisch fassen?
Einführende Literaturauswahl: D. C. Kurtz – J. Boardman, Greek Burial Customs (London 1971) / D. C. Kurtz – J. Boardman, Thanatos. Tod und Jenseits bei den Griechen, Kulturgeschichte der antiken Welt 23 (Mainz 1985); G. Gnoli – J. P. Vernant (Hrsg.), La mort, les morts dans les sociétés anciennes (Cambridge 1982); Chr. Clairmont, Patrios Nomos, Public Burial in Athens during the Fifth and Fourth Centuries. The Archaeological, Epigraphic-Literary and Historical Evidence, BAR 161 (Oxford 1983); R. Garland, The Greek Way of Death (Ithaca 1988); I. Morris, Death-Ritual and Social Structure in Classical Antiquity (Cambridge 1992); Ch. Sourvinou-Inwood, „Reading“ Greek Death. To the End of the Classical Period (Oxford 1996); B. d’Agostino, Archäologie der Gräber: Tod und Grabritus, in: A. H. Borbein – T. Hölscher – P. Zanker (Hrsg.), Klassische Archäologie. Eine Einführung (Berlin 2000) 313–331; W. E. Closterman, The Self-Presentation of the Family. The Function of Classical Attic Peribolos Tombs (Ann Arbor 2002); H. von Mangoldt, Makedonische Grabarchitektur. Die Makedonischen Kammergräber und ihre Vorläufer (Tübingen 2012); K. Sporn, Griechische Grabbezirke klassischer Zeit. Normen und Regionalismen. Akten des Internationalen Kolloquiums am Deutschen Archäologischen Institut, Abteilung Athen, 20-21 November 2009, Athenaia 6 (München 2013); E. Walter-Karydi, Die Athener und ihre Gräber (1000-300 v. Chr.), Image & Context 14 (Berlin 2015).

Proseminare


Römische Ehrenbögen (Grüner)
Wer eine römische Stadt besuchte, wurde schon in den Gräberstraßen von Bogenmonumenten empfangen, betrat dann durch reich geschmückte Bögen die Stadt, in der er an fast jeder wichtigen Verkehrskreuzung auf Bögen zu Ehren verdienter Bürger und des Kaiserhauses traf. Als Spiegel von Politik und Gesellschaft sind römische Ehrenbögen, vor allem aber ihre Ausstattung mit Statuen und Reliefs eine der wichtigsten Quellen der römischen Kultur überhaupt. Als ideale Einführung in viele Fragen der römischen Architektur und Bildkunst sollen im Proseminar wichtige archäologische Fertigkeiten wie Beschreibung und Interpretation eingeübt und in Referaten, die jeweils ein Beispiel zum Thema haben, erarbeitet werden.
Für den Scheinerwerb notwendig ist regelmäßige Anwesenheit, aktive Mitarbeit sowie die Anfertigung von Referat und Hausarbeit.
Lektüre zur Einführung:
M. Pfanner, Der Titusbogen (Mainz 1983)


Römische Wandmalerei (Schreyer)
Das Proseminar nimmt die römische Wandmalerei in Referaten und in gemeinsamer Diskussion in den Blick. Im Fokus stehen Ausprägungen und Entwicklung der technischen, stilistischen, kompositorischen und ikonographischen Aspekte römischer Wandmalerei. Zudem ist ihr Stellenwert im weiteren Kontext von Architektur und Nutzung zu diskutieren. Geographisch wird der Fokus auf der Vesuvregion mit ihren besonders guten Erhaltungsbedingungen liegen. Daneben sind gezielte Ausblicke auf räumlich und zeitlich entferntere Beispiele geplant. Ziel des Proseminars ist es, ein möglichst umfassendes Verständnis der Funktionsweise einer römischen Dekortechnik zu bekommen.

Grundkurse


Einführung in die Methoden (Grüner, Uthmeier, Verstegen)
Die Einführung bietet einen Überblick in die methodischen Grundlagen der beteiligten Studiengangsfächer. Im Falle der Klassischen Archäologie werden die wichtigsten Methoden und Theorien in historischer Folge vorgeführt.
Zur Einführung wird ein Tutorium angeboten, dessen Besuch dringend empfohlen wird. Näheres wird bekanntgegeben.
Verpflichtende Lektüre, klausurrelevant:
– T. Hölscher, Klassische Archäologie. Grundwissen (2002) 19 – 26; 85 – 91;
– Franziska Lang, Klassische Archäologie (2002) 41 – 74 und 157 – 250;
– A. H. Borbein – T. Hölscher – P. Zanker (Hrsg.); Klassische Archäologie. Eine Einführung (2000) 109 – 128 und 147 – 165.


Einführung Römische Kunst und Kulturgeschichte (Grüner, Schreyer)
Die Einführung zur römischen Kunst und Kulturgeschichte setzt den griechischen Teil des historischen Überblicks fort. Behandelt werden die wichtigsten Themen und Monumente der römsichen Kunst, strukturiert nach Gattungen und Epochen. Für ein erfolgreiches Bestehen des Kurses ist – neben der Kenntnis der unten genannten Lektüre und den in den Seminarstunden vermittelten Informationen – die Benennung und Einordung der wichtigsten Denkmäler der römischen Archäologie erforderlich, die in einem für die Klausur verpflichtenden Denkmälerkanon zusammengefaßt werden.
Zur Einführung wird ein Tutorium angeboten, dessen Besuch dringend empfohlen wird. Näheres wird bekanntgegeben.
Verpflichtende Lektüre, klausurrelevant:
– T. Hölscher, Klassische Archäologie. Grundwissen (2002) (Abschnitte zur römischen Kunst und Kultur)

Übungen


Bedeutende Gräber und Nekropolen der Antike in Kleinasien (Cevik)
Für die Beschäftigung mit den klassischen Kulturen der Griechen und Römer spielt Kleinasien eine zentrale Rolle. Aufgrund seiner geographisch günstigen Lage war Kleinasien seit jeher Heimat bedeutender Städte der klassischen Antike. Infolgedessen sind die archäologischen Spuren nicht nur ihrer Lebensbereiche im Fokus der Forschung, ebenso die der Bestattungsräume für ihre Verstorbenen bergen eine große Informationsfülle hinsichtlich intraurbaner Raumnutzung, Identitätsbildung sowie Grabarchitektur. Neben den bekannten Grabmonumenten der klassischen und hellenistischen Antike werden Nekropolen als ganze Einheiten behandelt, um Raumentwicklung zu verdeutlichen. Dabei werden ebenso lokale Gräber und Nekropolen vorgestellt, deren Ursprünge bis in die Bronzezeit hineinreichen und Einflüsse sowie Kontinuitäten in der Sepulkralkultur verdeutlichen. Anhand ausgewählter Beispiele werden sie im Rahmen des Seminars vorgestellt und vertieft.


Attische Vasenmalerei: Grundlagen der Datierung und Malerzuschreibung (Reinhardt)
In der Übung sollen die Grundlagen der Datierung von Vasenbildern anhand des Stils auf attischen Gefäßen der archaischen und klassischen Zeit erlernt und eingeübt werden; damit in Zusammenhang wird auch besprochen, anhand welcher Merkmale Vasenmaler unterschieden und identifiziert werden können. Der Schwerpunkt der Übung wird auf dem vergleichenden Beschreiben liegen.
Einführende Literaturauswahl: I. Scheibler, Griechische Töpferkunst (München 1983); D. v. Bothmer – Alan L. Boegehold, The Amasis Painter and His World. Vase Painting in Sixth-Century B.C. Athens (Malibu 1985); J. Boardman, Schwarzfigurige Vasen aus Athen 4(Mainz 1994); J. Boardman, Rotfigurige Vasen aus Athen. Die archaische Zeit 4(Mainz 1994); J. Boardman, Rotfigurige Vasen aus Athen. Die klassische Zeit (Mainz 1991); Ph. Rouet, Approaches to the Study of Attic Vases. Beazley and Pottier, Oxford Monographs on Classical Archaeology (Oxford 2001); Th. Mannack, Griechische Vasenmalerei ²(Darmstadt 2012)


Bestimmungsübung Architektur a: griechischsch (Nawracala)
Welcher Tempel verbirgt sich hinter welchem Grundriss? Welche Geschichte steckt hinter der Errichtung des Tempels und was macht ihn einzigartig oder berühmt? Wie kann man ein antikes Gebäude so präzise beschreiben, dass die Zuhörer eine Skizze mit Wiedererkennungswert anfertigen können? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Übung, in der griechische Bauwerke spielerisch kennengelernt und verstanden werden sollen. Die Teilnehmer werden sich nicht nur Grundwissen über ausgewählte Beispiele der griechischen Architektur aneignen, sondern auch das präzise Beschreiben von Grundrissen lernen, sowie das Zeichnen anhand dieser Beschreibungen.


Bestimmungsübung Architektur b: römisch (Schreyer)
Im Mittelpunkt der Übung steht der römische Einsatz von Baumaterialien, Bautechniken, architektonischen Ordnungen, Bauornamentik und Bautypen. An konkreten Beispielen soll es im Laufe des Semesters intensiv eingeübt werden, die jeweils gewählten Optionen zu bestimmen, logisch zu verstehen, terminologisch präzise zu benennen und zeitlich einzugrenzen.

Praktika


Modellbauakademie (Boss)
In reiner Handarbeit werden wissenschaftlich nutzbare Rekonstruktionen von Gebäuden der Klassischen Antike als (analoges) Modell geplant und ausgeführt.
Die Lehrveranstaltung soll sowohl einen kleinen Eindruck handwerklicher Fertigkeiten vermitteln, besonders aber das Verständnis konstruktiver Zusammenhänge der
Architektur der Klassischen Antike fördern.
Derzeit stehen zum Bau an: Gebäude auf der Agora von Athen im 4. Jh. v.Chr.;
Weiterbau der Casa di Diana in Ostia.


Antike Numismatik (Boss)
Einführung in die Münzkunde der Klassischen Antike mit praktischen Bestimmungsübungen anhand von Beispielen aus den Münzsammlungen der Universität
und verbunden mit der Konzeption einer kleinen Sonderausstellung zu einem numismatischen Thema.
Die Lehrveranstaltung soll ein Grundverständnis der Herangehensweise an diese Denkmälergattung vermitteln.


Museumsdidaktik (Hochreuther)
Praxisorientierte – und praktische – Übungen zu Planung und Durchführung öffentlicher Führungen sowie Planung, Gestaltung und Durchführung einer kleinen
Sonderausstellung.
Die Lehrveranstaltung soll grundlegende Fertigkeiten zur Arbeit in einer musealen Einrichtung einüben.

Lehrveranstaltungen zur Schlüsselqualifikation


Colonisierung und Colonisation (Sirois, Boss)
Ein Phänomen „kolossaler Uneindeutigkeit“ hat der Historiker Jürgen Osterhammel den Kolonialismus einst genannt. Dabei beschreibt er nur das Problem, den neuzeitlichen Kolonialismus ab dem 15. Jahrhundert zu fassen und klammert dabei das Phänomen der antiken Kolonisation weitgehend aus – also die lange Phase der Siedlungsbewegungen im Mittelmeerraum in der Zeit des 1 Jahrtausends v. Chr. und während der römischen Kaiserzeit. Das Seminar versucht aber, eben durch die Bearbeitung von Gemeinsamkeiten unterschiedlicher „kolonialer Situationen“, allen voran der Dichotomie zwischen Kolonisierenden und Kolonisierten, dieses Definitionsproblem zu fassen. Der herrschaftstechnische Gegensatz war von Anfang an ideengeschichtlich und ideologisch begleitet. Stereotypisierungen wie „Barbaren“ oder „Wilde“ einerseits und „Zivilisierte“ andererseits sowie Diskurse über Entwicklung und Modernität, Rationalität und Natürlichkeit bilden die epistemologischen Voraussetzungen kolonialer Projekte und die damit einhergehenden machtasymmetrischen Hypothesen. Es gilt somit der Frage nachzugehen, inwieweit sich antike Kolonisationsphänomene vom Kolonialismus der Neuzeit unterscheiden.
Einführende Literatur:
J. Boardman, The Greeks Overseas: Their Early Colonies and Trade (1964 )
Günther Schörner, Imperialismus, Kolonialismus und Postkolonialismus in der Romanisierungsforschung. In: Ders. (Hrsg.), Romanisierung – Romanisation : Theoretische Modelle und praktische Fallbeispiele (2005) 25-34.
Osterhammel; Jürgen; Jansen, Jan: Kolonialismus. Geschichte – Formen – Folgen, 7. Auflage, München 2012.


Römische Epigraphik (Srb, Boss)
An der Schnittstelle zwischen klassischer Philologie und Klassischer Archäologie steht die für beie Fächer gleichermaßen wichtige Epigraphik. Das Seminar bietet einen ersten Ein- und Überblick über die verschiedenen Gruppen von Inschriften an Gebäuden, auf Grabmonumenten und Votivgaben. Dabei wird das Spektrum der behandelten Beispiele neben den Inschriften in Stein auch Graffiti und Dipinti an Hauswänden sowie Beschriftungen auf Objekten der Kleinkunst umfassen.


Archäometrie (Göbbels, Boss)
Nach Materialgruppen geordnet werden antike Werkstoffe mit ihren Eigenschaften und in ihrer Nutzung in der Klassischen Antike besprochen.
Die Lehrveranstaltung soll das Erkennen und Bestimmen in verarbeiteter als auch in der Rohform ermöglichen.

Weitere Veranstaltungen


Lektüre (Boss)
In deutscher Übersetzung und darauf aufbauend im Abgleich mit dem lateinischen oder griechischen Fassung werden wichtige Werke antiker Dichter und Denker vorgestellt und besprochen. Die Lehrveranstaltung dient der Verbesserung und Vertiefung der Quellenkenntnisse zur Klassischen Antike.
Als Nächstes steht Xenophons Anabasis auf dem Leseplan.