Kommentar zu den Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2020

Hinweise: Es handelt sich um eine vorläufige Aufstellung der im SoSe 2020 geplanten Lehrveranstaltungen. Änderungen können sich ergeben.

Zur Übersicht der Lehrveranstaltungen im SoSe 2020.

Vorlesungen


    Vorlesung: Im Zentrum der antiken Stadt: griechische Agora und römisches Forum (Corinna Reinhardt, Andreas Grüner) Di, 10:15–11:45

Hauptseminare


    Bilder im Kontext – neue Ergebnisse zu aktuellen bildwissenschaftlichen Forschungen (griechisch/römisch)(Andreas Grüner)
    Das Seuchensemester gibt uns die willkommene Gelegenheit, uns auf die wichtigste Tätigkeit jedes echten Archäologen zu konzentrieren, eine Tätigkeit, die ansonsten mitunter zwischen Vorträgen, Exkursionen und Feldpraktika untergeht: das LESEN. Um die Lektüre von archäologischer Literatur zu intensivieren, werden wir das Hauptseminar daher diesmal als intensives Leseseminar durchführen.
    Alle Teilnehmer unseres Bootcamps werden in zweiwöchigem Turnus ein seitenstarkes Werk der aktuellen Forschung zum klassischen Mittelmeerraum durcharbeiten. Um die Selbstdisziplin zu unterstützen, soll dabei jeder Partizipant vierzehntägig eine 5-7seitige, kritische Rezension zu dem jeweiligen Opus anfertigen: eine vergnügliche Trockenübung, denn im Laufe seiner Karriere muß jeder Archäologe das Handwerk erlernt haben, eine Rezension zu einer Neuerscheinung zu schreiben. Die abschließende Hausarbeit wird sich intensiver mit einem der gelesenen Werke beschäftigen.
    Die anspruchsvollen Werke sind so ausgewählt, daß sie konstante, am besten tägliche Lektüre erfordern. Diese VOLLSTÄNDIGE Lektüre ist Pflicht und Voraussetzung für den Leistungserwerb.
    Um die harten Bedingungen etwas zu erleichtern, gibt es (ebenfalls vierzehntägig) eine Fragestunde, bei der wir uns mit dem drill instructor im Zoom-Cafe treffen und prüfen, ob wir auch alles richtig gelesen und verstanden haben; vor allem aber, welche Kritik/Perspektiven das jeweilige Werk eröffnet und welche Probleme offen bleiben. Allen Überlebenden des Seminars kann schon jetzt ein gewaltiger Zuwachs an Wissen versprochen werden, der sich garantiert auszahlen wird.

Proseminar


    Archäologie antiker Hauskulte (griechisch/römisch) (Eber)
    In der griechischen und römischen Welt wurden Kulthandlungen und religiöse Praktiken nicht nur vor den „öffentlichen“ Tempeln ausgeübt, sondern waren auch zentrale Bestandteile des häuslichen Lebens: Neben der regelmäßigen Verehrung der Hausgötter waren auch die zentralen Ereignisse der Familie (Geburt, Volljährigkeit, Hochzeit und Tod) mit Kulthandlungen im Haus verbunden. Archäologische Quellen, wie etwa Hausaltäre, Götterbilder und Kultgeräte erlauben uns antike Hauskulte aus materieller Sicht zu erschließen und ermöglichen somit auch eine Referenzierung der literarischen Quellen zur häuslichen Kultausübung.
    In diesem Proseminar erarbeiten und diskutieren wir verschiedene Themenkomplexe zum antiken Hauskult:
    – Wie lässt sich Hauskult (archäologisch) nachweisen?
    – Wer wurde im Haus auf welche Weise kultisch verehrt?
    – Zu welchen Anlässen wurden im Haus religiöse Handlungen durchgeführt?
    – Wer übte den Hauskult aus?
    Die Fragestellungen werden anhand von verschiedenen Fallbeispielen näher untersucht. Neben den gut ergrabenen griechischen Wohnbauten in Olynth und Delos stehen dabei vor allem die reichen römerzeitlichen Befunde aus den Vesuvstädten Pompeji und Herkulaneum im Mittelpunkt.
    Einführende Literatur:
    – M. Bassani, Sacraria. Ambienti e piccoli edifici per il culto domestico in area vesuviana (Rom 2008)
    – J. Bodel – S. M. Olyan (Hrsg.), Household and Family Religion in Antiquity (Oxford 2008)
    – T. Fröhlich, Lararien- und Fassadenbilder in den Vesuvstädten (Mainz 1991)
    – L. Nevett, Domestic Space in Classic Antiquity (Cambridge 2012)
    – D. G. Orr, Roman Domestic Religion. The Evidence of the Household Shrines, ANRW II 16.2 1978, 1557-1591
    – R. Raja – J. Rüpke (Hrsg.), A Companion to the Archaeology of Religion in the Ancient World (Malden MA 2015)
    – D. Wachsmuth, Aspekte des antiken mediterranen Hauskults, Numen 27, 1980, 34-75
    – C. Yavis, Greek Altars. Origin and Typology. Including the Minoen-Mycenean Offertory Apparatus (Sant Louis 1949)

    Beachten Sie ebenfalls die entsprechenden Einträge im DNP (Der Neue Pauly) und ThesCRA (Thesaurus Cultus et Rituum Antiquorum)

Übungen


    Klassisch-archäologische Methoden der Bildanalyse. Von Panofsky bis zu den Digital Humanities (Reinhardt; Bendschus)
    Die aktuelle (Weiter-)Entwicklung digitaler Methoden, die den Umgang mit visuellen Medien zum Gegenstand haben, bedeutet eine Vielzahl spannender Perspektiven, aber auch neuer Herausforderungen für die etablierten Bildwissenschaften. Als solche wird auch die Klassische Archäologie nicht nur z. B. von modernen Anwendungen der Computer Vision profitieren können, sondern auch an deren Entstehung teilhaben und sie den fachspezifischen geisteswissenschaftlichen Fragestellungen anpassen müssen.
    Während der Übung stehen in drei Blockterminen (3–5 SWS) bildwissenschaftliche und digitale Methoden sowie deren sinnvolle Verknüpfung zur Annäherung an das visual cultural heritage im Mittelpunkt. Die erste Sitzung gibt eine Einführung in methodische Grundlagen, Schlüsselbegriffe und zentrale Probleme der klassisch-archäologischen Bildanalyse. Anschließend üben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Form eines interaktiven Planspiels Kernkompetenzen der fächerübergreifenden Zusammenarbeit in einem simulierten interdisziplinären Forschungsumfeld ein, indem sie als Team eine realistische Fragestellung aus dem Bereich der digitalen Bildanalysemethoden in der griechischer Vasenmalerei bearbeiten. Die Ergebnisse, Erfahrungen und Problemfelder werden abschließend eingehend reflektiert und diskutiert.

    Blockveranstaltung am 24.04., 15.05., 10.07.2020 (Uhrzeit wird noch rechtzeitig bekanntgegeben, siehe Aushang). Die Teilnahme ist aufgrund beschränkter Teilnehmeranzahl (12) nur nach vorheriger Voranmeldung (und Bestätigung) möglich.

    Entwicklung einer Ausstellung im virtuellen Raum (Museumspraktikum) (Reinhardt)
    Objektbiographien. Eine Ausstellung im virtuellen Raum
    Im Rahmen des Themenkomplexes der Objektbiographien (die das „Leben“ eines Artefaktes in unterschiedlichen Verwendungs- und Rezeptionskontexten betrachten und auf die unterschiedlichen Bedeutungen und vor allem Bedeutungszuschreibungen eingehen) soll in diesem Jahr am Institut für Klassische Archäologie der FAU unter der Leitung von Prof. Dr. Corinna Reinhardt in Zusammenarbeit mit Studierenden eine Ausstellung im virtuellen Raum entstehen. Die komplexe technische Umsetzung erfolgt durch Dr. Jürgen Süß, der seine umfassende Expertise im Bereich der digitalen Visualisierung einbringen wird.
    Die Studierenden werden dabei einzelne Stationen eines Artefaktes umfassend beleuchten und ein Konzept für die virtuelle Präsentation in rekonstruierten 3D-Räumen („Kontexten“) entwerfen. Sie lernen dabei, im modernen musealen Bereich gewohnte Pfade zu verlassen und zeitgemäße Visualisierungs- und Vermittlungsmethoden auszuprobieren und weiterzuentwickeln, die nicht an Zeit und Ort eines realen musealen Ausstellungsraumes gebunden sind.
    Aufgrund des aktuellen Entschlusses der FAU, die Lehre im kommenden Sommersemester ausschließlich virtuell stattfinden zu lassen, werden die Projekttreffen ebenfalls nur virtuell stattfinden können. Nach der Anmeldung (per Email) erfahren Sie zu Semesterbeginn alle Informationen zum ersten Treffen.

    Grundkurse


      Einführung in die Methoden der Archäologie (Grüner, Uthmeier)
      Die Studierenden lernen die wichtigsten Methoden, mit denen in den drei archäologischen Fachrichtungen Quellen ermittelt, dokumentiert und untersucht werden, sowie Theorien ihrer Interpretation.
      Einführende Literatur:
      – T. Hölscher (Hrsg.), Klassische Archäologie. Grundwissen (diverse Auflagen)
      – A. H. Borbein –T. Hölscher –P. Zanker (Hrsg.), Klassische Archäologie. Eine Einführung (2000)
      – H.J. Eggers, Einführung in die Vorgeschichte (1959)
      – M. K. H. Eggert, Prähistorische Archäologie: Konzepte und Methoden (2000)

      Einführung in die römische Kunst- und Kulturgeschichte (Reinhardt, Eber)
      Die Einführung zur römischen Kunst und Kulturgeschichte setzt den griechischen Teil des historischen Überblicks fort. Behandelt werden die wichtigsten Themen und Monumente der römsichen Kunst, strukturiert nach Gattungen und Epochen. Für ein erfolgreiches Bestehen des Kurses ist – neben der Kenntnis der unten genannten Lektüre und den in den Seminarstunden vermittelten Informationen – die Benennung und Einordung der wichtigsten Denkmäler der römischen Archäologie erforderlich, die in einem für die Klausur verpflichtenden Denkmälerkanon zusammengefaßt werden.
      Zur Einführung wird ein Tutorium angeboten, dessen Besuch dringend empfohlen wird. Näheres wird bekanntgegeben.
      Verpflichtende Lektüre, klausurrelevant: T. Hölscher, Klassische Archäologie. Grundwissen (diverse Auflagen) (Abschnitte zur römischen Kunst und Kultur)

    Tutorien


      Tutorium zur Einführung in die römische Kunst- und Kulturgeschichte (Schuh)

    Exkursion


      Von Pozzuoli nach Pompeji. Römisches Leben am Golf von Neapel (Grüner, Eber)
      (Exkursionstermin und Stattfinden ist noch unklar)
      Der Golf von Neapel ist seit der Antike ein beliebtes Reiseziel. Während reiche Römer und sogar der Kaiser in den Kurbädern von Baiae oder den villae marritimae in Herculaneum, Stabiae und Capri nach Erholung und otium suchten, war der Landstrich spätestens seit dem 18. Jahrhundert ein Höhepunkt der Grand Tour kulturbegeisterter Bildungsreisender. Auf unserer Exkursion im September 2020 werden wir in dieser Tradition neben den bekannten Vesuvstädten Pompeji und Herculaneum und dem Archäologischen Museum in Neapel auch kleinere Ausgrabungsstätten, wie die Villa Augusta in Somma Vesuviana oder Rione Terra in Pozzuoli besichtigen. Ziel der Exkursion ist es das römische Stadt- und Landleben mit Hilfe der gut erhaltenen Ruinen rund um den Golf, sowie der Alltagsgegenstände, Fresken und Statuen im Neapler Museum verstehen zu lernen.

      Einführende Literatur:
      – A. Marzano – G.P.R. Métraux (Hrsg.), The Roman villa in the Mediterranean basin. Late Republic to Late Antiquity (Cambridge 2018)
      – L. Crimaco – C. Gialanella – F. Zevi (Hrsg.), Da Puteoli a Pozzuoli. Scavi e richerche sulla rocca del Rione Terra. Atti della Giornata di studio Istituto Germanico Roma, 27 aprile 2001 (Neapel 2003)
      – S. De Caro, Il Museo Archeologico Nazionale di Napoli (Neapel 1994)
      – Ch. Neumeister, Der Golf von Neapel in der Antike. Ein literarischer Reiseführer (München 2005)
      – F. Pesando – M.P. Guidobaldi, Pompei, Oplontis, Ercolano, Stabiae. Guida archeologica Laterza (Bari 2018)
      – D. Richter, Neapel. Biographie einer Stadt (Berlin 2005)

    Kolloquien


      Forschungskolloquium (Grüner, Reinhardt, Uthmeier, Mischka, Verstegen, Eber)

      Oberseminar: Examenskolloquium der Archäologischen Wissenschaften (Uthmeier, Mischka, Grüner, Verstegen, Reinhardt)

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    Weitere Veranstaltungen


      Neugriechisch für die archäologischen Wissenschaften (Mavropoulou-Michalowski)